textur – vom schriftbild zur bildstruktur :: oberpfälzer künstlerhaus

all works – alle arbeiten 100x100cm, diasec | edition: unicum | 2006

concrete / abstract – three photographic positions
oberpfälzer künstlerhaus, schwandorf, germany
pavel banka (prague), erich spahn (amberg), falk von traubenberg (hamburg)
2006 april 2th – may 21th

texture of type faces
virtual space for expanded thinking

do we still have to take photos at all in order to produce images with photo esthetic impression? Somebody like falk von traubenberg, born 1971, fathoms this approach with playful-sober assurance. Socialized with the possibilites of the computer he creates his own image worlds in his series „ textur | vom schriftbild zur bildstruktur“ without resorting to the real. The fascinating aspect is, that the products of this search and finding refer to the structure of the real, of structures, of architecture, controlled or uncontrolled. These products are contorted until they cannot longer be recognized, they are blurred type forms of his computer program.

In this new series impressions of front grids or top views of the map of a geometrically organized drawing board city evolve. pixel spaces proliferate like clusters. Everything is moving, it permanently constructs and deconstructs itself. Time manifests itself as simultaneity of the non-simultanous, as surfing in virtual space. With the aid of the computer one can on the other hand only evoke images which are already recorded in the collectivce memory. The perception of the world surrounding us has its analogy in the electronic cosmos. Thus there is something like primeval images which possibly get passed on genetically already. Our perception is linked to old image structures. We can only see which we believe to discern. Because one can only discern what one already knows, at least partially. Therefore we need the old in order to reach the new. The tension lying in between, is the original playing field of art. It is its endeavor to affect our ability to see and to discern in order to – hopefully – expand it.

Falk von traubenberg originally is an architect. Starting from this base he moved on to photography, of course with a special focus on architecture photography. To plan one’s own environment and having it built, this approach fascinates him also while producing images. His undaunted interest is directed at the architecture of the image: colours, lines, rhythm and composition. Until now he has been using analog exposed film material in order to let his phantasies of images ramble by means of the computer. Producing his series „interform – vom architekturbild zur bildarchitektur“ („interform – from image of architecture to architecture of image“) he scanned filmstrips. He did not correct the errors in shape and colour. He lets them be and creates a new, very vital and colourful world of various image informations with their media-specific attractions and secrets. They still draw their potential from the combination of real illustration and a super real composition.

The logical next step is realized in the presented type face-series. The constraints of the analog photography are surmounted. The production of the image is disconnected from the display of the reality. Falk von traubenberg generates his ideas of images solely at the computer. He makes an unadulterated digital optical kaleidoscope work. Everyone can hook up at any point and join in with his or her individual phantasy images. The stark three dimensional roundelay spins on and we go with it.

Why does he do that only in order to test the not so new toy computer? This cannot be a sufficient reasoning for art. At most this leads to new, even less soulful design. It is all about new insights from new experiences in a quickly changing society. New possibilities of images change our view of the world. And yet this is a very slow process. The stereotypes of the traditional images have to fade, before new forms take their place.

Falk von traubenbergs texture tableaus indicate a future, which will grow beyound the photographic. The big adventure of art and its images lies in the virtual space. There, within the immaterial, is space for new visual perception, thinking and taking action. But still it will prevail, what the philosopher descartes once said: „I think therefore I am“. Analog or digital: on this level of abstraction this question is secondary after all.

harald raab: „konkret / abstrakt. drei fotografische positionen”, april 2006,
catalogue for the exhibition at the oberpfälzer künstlerhaus, schwandorf

 

textur von schriftbildern
virtueller raum für erweitertes denken

muss man überhaupt noch fotografieren, um bilder mit fotoästhetischer anmutung zu produzieren? einer wie falk von traubenberg, jahrgang 1971, lotet mit spielerisch-ernster sicherheit diesen weg aus. sozialisiert mit den möglichkeiten des computers, baut er sich in der serie „textur – vom schriftbild zur bildstruktur“ gleich seine eigenen bildwelten zusammen, ohne sich im real-konkreten zu bedienen. das faszinierende dabei ist, die produkte dieses suchens und findens in bis zur unkenntlichkeit verzerrten schriftformen seines rechnerprogramms verweisen seinerseits, gesteuert oder nicht, auf die struktur des realen, auf bauweisen, auf architektur.

es entstehen bei der neuen serie anmutungen von fassaden-rastern oder der draufsicht auf den plan einer geometrisch geordneten reissbrett-stadt. pixel-räume wuchern wie cluster. alles ist in bewegung, konstruiert und dekonstruiert sich ständig selbst. zeit manifestiert sich als gleichzeitigkeit des ungleichzeitigen, als surfen in virtuellen räumen. mit hilfe des rechners kann man aber auch nur die bilder erzeugen, die im kollektiven gedächtnis bereits gespeichert sind. die wahrnehmung der uns umgebenden welt findet ihre entsprechung im elektronischen kosmos. es gibt also so etwas wie urbilder, die möglicherweise bereits genetisch weitergereicht werden. unser wahrnehmen ist an alte bildmuster gekoppelt. wir sehen immer nur, was wir zu erkennen glauben. denn man kann nur erkennen, was man zumindest partiell bereits kennt. wir brauchen also das alte, um zum neuen zu gelangen. die spannung, die dazwischen liegt, ist das originäre spielfeld der kunst. ihre aufgabe ist es, unser seh- und erkennungsvermögen zu tangieren, um es so – hoffentlich – zu erweitern.

falk von traubenberg ist von haus aus architekt. von dieser grundlage aus tat er den schritt zur fotografie, natürlich mit einem fachspezifischen sonderinteresse für architektur-fotografie. sich seine umgebung selbst zu planen und danach bauen zu lassen, dieser ansatz fasziniert ihn auch bei der herstellung von bildern. der bildarchitektur gilt sein ungebrochenes interesse: farben linien, rhythmus und komposition. dabei ging er bisher immer noch von analog erstelltem filmmaterial aus, um damit im rechner seine bildphantasien schweifen zu lassen. zur erstellung seiner serie „ interform – vom architekturbild zur bildarchitektur“ hat er diastreifen eingescannt. die fehlformen und –farben hat er nicht korrigiert. er lässt sie stehen und kreiert so eine neue, sehr vital-poppige welt der mannigfaltigen bildinformationen mit ihren medienspezifischen reizen und geheimnissen. sie beziehen ihre spannung noch aus der kombination realer abbildung in einer überrealen komposition.

der logische weitere schritt ist in der hier gezeigten schriftbild-serie getan. die zwänge der analogen fotografie sind überwunden. die bildproduktion ist von der wirklichkeitsdarstellung abgekoppelt. falk von traubenberg generiert seine bildideen nur noch am rechner. er setzt ein rein digital-optisches kaleidoskop in gang. jeder kann sich an jedem beliebigen punkt einklinken und mit seinen phantasiebildern andocken. der schier dreidimensionale reigen wirbelt weiter und wir in ihm.

warum das alles, nur um das gar nicht mehr so neue spielzeug computer auszuprobieren? das allein reicht sicher nicht, um kunst zu begründen. das führt höchstens zu neuem, immer mehr seelenlosen design. es geht vielmehr immer um neue erkenntnisse aus neuen erfahrungen, neuen einsichten in einer sich rasch verändernden gesellschaft. neue bildmöglichkeiten verändern den blick auf die welt. der prozess geht aber dann doch wieder sehr langsam. die die stereotypen der tradierten bilder müssen erst verblassen, um neuen formen platz zu machen.

falk von traubenbergs textur-tableaus weisen in eine zukunft, die über das fotografische hinauswachsen wird. das große abenteuer der kunst und ihrer bilder liegt im virtuellen raum. dort, im immateriellen, ist platz für neues sehen, denken und selbst handeln. aber nach wie vor wird geltung haben, was der philosoph descartes auf die gültige formel gebracht hat: „ich denke, also bin ich.“ analog oder digital: auf dieser abstraktionsebene ist die frage schließlich sekundär.

harald raab: „konkret / abstrakt. drei fotografische positionen”, april 2006,
katalog zur ausstellung im oberpfälzer künstlerhaus, schwandorf