interform – hamburg (2007)

all works (16 pics) – alle arbeiten (16 bilder) 80x80cm | edition 5+2ap  | 2007

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Interform: From the image of architecture to the architecture of an image

Interform – the digital orchestration of the interaction of photographic forms. Between the converging lines and colors, unique frequencies are generated, which are being manifested visually and also acoustically, in synesthetic respects.

Falk von Traubenberg’s photographs of the series Interform seem to render sound visible – the kinds of frequencies that arise when forms and color dissolve into one another and come to new visual dimensions. Synesthetics, in full frequential density, are the most essential perceptual aspect of the Interform series. Like a carpet of rhythmic sound, the color spectrum flows through the image. Concreteness blends with abstraction in physically accurate linearity. It is a means of grounding the photographs in their intensely colorful brilliance and their impenetrable diversity bursting of energy, centering them in a naturally inherent calm. The linearity is criss-crossing the image in finely structured horizontal, vertical, or diagonal parallels. Soft and hard lines are being contrasted, blend, whir, shift known perspectives in an oscillating multilayeredness. These visual compositions of sound dissolve the boundaries between image and sound. They open the view for new synergetic effects through their psychedelic interplay of shapes and colors. The world, heard in color.

From the image of architecture to the architecture of an image. This deconstructivist photography digitally dissolves architectural image elements and composes them anew. What appears to be randomly combined street and architectural photography are parts of an intricate entity of tones and colors. By fully submerging into the structure, shapes and color can be deconstructed and then reconstructed. Deconstructivism diverges from well tried stability and uniformity and finds a new superordinate harmony.

The result is the visual dissolution of perception as well as of technique. The eye, being kept in constant movement, is searching for recognizable shapes in the whirring abstraction, shapes that immediately dissolve and shift away as soon as they are caught. Falk von Traubenberg scopes syesthetically visual-acoustic perception by rendering visible new perspectives. Perceptual boundaries are shifted and dissolved in order to tap fresh outlooks. With maximum precision of technique and content, he brings seemingly unstructured shapes and colors to a higher, perfectly harmonized unity. By his individual, thoroughly defined visual language he masters conveying the essence of photography: It is a free reflection of the world, or of what we perceive to be reality. It is our perception that shapes reality, and that is why reality is always subjective and cannot ultimately be assessed by generally valid standards. These photographs remind us of this by dissolving and blending what we think to have recognized. The punch line of this perceptual game is the fact that there is no predefined solution and concurrently, everything is possible. Fully in the flow.

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Interform: Vom Architekturbild zur Bildarchitektur

Interform – die digitale Inszenierung der Interaktion fotografischer Formen. Zwischen den ineinanderfließenden Linien, Flächen und Farben entstehen eigene Frequenzen, die sich visuell und auch akustisch, synästhetisch gesehen, manifestieren.

Falk von Traubenbergs Fotografien des Werkkomplexes Interform scheinen Klang sichtbar zu machen, die Frequenzen, die entstehen, wenn Formen und Farbe sich ineinander auflösen und neue visuelle Dimensionen erschließen. Der synästhetische Aspekt, in seiner vollen spektralen Frequenzdichte, steht beim Interform Werkkomplex klar im Vordergrund. Wie ein rhythmischer Klangteppich fließt das Farbspektrum durch das Bild. Gegenständlichkeit verschmilzt mit Abstraktion in physikalisch akkurater Linearität, die die Fotografien aus ihrer intensiven farblichen Brillanz, aus ihrer geradezu undurchdringlichen, vor Energie strotzenden Diversität heraus immer wieder erden und in einer natürlich inhärenten Ruhe zentrieren. Diese Linearität verläuft in fein strukturierten Parallelen in horizontaler, vertikaler oder diagonaler Flußrichtung. Weiche und harte Linien werden kontrastiert, verlaufen, flirren, verschieben altbekannte Perspektiven in einer irisierenden Vielschichtigkeit. Diese visuellen Klangkompositionen lassen die Grenzen zwischen Bild und Klang sich auflösen und öffnen den Blick in ihrem psychedelischen Zusammenspiel von Form und Farbe für neue Synergieeffekte. Die Welt, in Farbe gehört.

Vom Architekturbild zur Bildarchitektur. Dekonstruktivistische Fotografie wird hier betrieben, die digitale Auflösung und Neukomposition architektonischer Bildelemente. Scheinbar zufällig kombinierte Architektur- und Straßenszenenfotografien werden durch den darüber liegenden Farbklang zu einer runden Ganzheit gebracht. Indem ganz in die Struktur eintaucht wird, können Form und Farbe de- und dann rekonstruiert werden. Dekonstruktivismus weicht von altbewährter Stabilität und Einheitlichkeit ab und kommt in der freien Beweglichkeit der Digital Art zu neuer, übergeordneter Harmonie.

Das Resultat ist die optische Auflösung sowohl von der Wahrnehmung als auch von der Technik. Das Auge, in ständiger Bewegung gehalten, sucht in der flimmernden Abstraktion nach wiedererkennbaren Formen, die sich, sobald erkannt, unmittelbar wieder auflösen und verschieben. Falk von Traubenberg setzt sich in dieser Sichtbarmachung neuer Perspektiven mit der visuell-akustisch-synästhetischer Wahrnehmung auseinander. Perzeptorische Grenzen verschieben sich und werden aufgelöst, um darin neue Blickwinkel zu erschließen. Mit höchster technischer und inhaltlicher Präzision bringt er scheinbar unstrukturierte Formen und Farben in übergeordneten, perfekt stimmigen Einklang. Durch seine individuelle, durchdefinierte Bildsprache gelingt es ihm, das essentielle Wesen der Fotografie zu vermitteln: Sie ist eine freie Reflektion der Welt, dessen, was wir als Realität empfinden.

Es ist unsere Wahrnehmung, die Realität formt, daher ist Realität immer subjektiv und nicht ultimativ nach allgemein gültigen Standards festzulegen. Die Fotografien erinnern uns daran, indem die Formen, die wir gerade meinen, zu erkennen, wieder aufgelöst und ineinander fließen gelassen werden. Die Pointe dieses Spiels mit der Wahrnehmung liegt darin, daß es keine vordefinierte Lösung gibt und dass gleichzeitig alles möglich ist.
Ganz im Fluß der Dinge.

© Kristina von Bülow