clouds #17 – #32 (2012)

clouds
seen by falk von traubenberg

 

Clouds are a fundamental part of nature and thereby of our existence. They have been around since the origin of the atmosphere as a prerequisite for life on Earth. They play a significant role in the thermal budget of our planet. Only small changes can have great impact on climate. Their creation and transformation is influenced by various factors; their particular looks, in turn, allow inferences on the weather situation. Clouds can theoretically appear in nearly all forms in all areas of the Earth, however, because of regional climatic features, each region has characteristic ones. Their extraterrestrial occurrence on other celestial bodies such as the planet Venus casts a light on their universality.

It is a paradox: Their universal, timeless presence is untouchable. This gives them an air of divinity and may also be one reason why they have been projection plane of dreams and have been animating our imagination since time immemorial. They are visible, but not tangible. Never the same, always changing. They can have great power on our lives: Not only do they affect the success of harvests, but also our travelling and transport and, last but not least, our moods.

The natural scientific study of clouds, nephology, is a relatively young development. Only in the early 19th century it started making its way out of the spheres of purely philosophical observation and became an independent science. Today’s internationally valid classification, subsuming clouds in families depending on their altitudes, is laid out in the International Cloud Atlas. Names like Cirrocumulus Undulatus, Altostratus Translucidus or Cumulonimbus Capillatus point to their shape, arrangement and translucence. It is not the cloud itself that defines its colour, but the wavelength and the intensity of the sunlight, moonlight or artificial light that illuminates it. Furthermore, our colour perception is influenced by the standpoint and the possible presence of dust or haze in the air. Lightness and darkness result from the various molecules reflecting and dissipating the light. Winds, temperatures and atmospheric pressure cause the constant creation, movement and deformation of clouds.

This ephemeral theatre has always fired the imaginative powers of humans because of its beauty and drama. As an art subject, clouds have been important elements of visual orchestration since the renaissance, when they were used to stage celestial appearances such as in the Sistine Chapel. Since the Dutch landscape painting, particularly with van Ruisdael and Rembrandt, clouds were employed ever more to illustrate the infinity of space and to dramatise landscapes. With the emergence of nephology and the scientific investigation of clouds two centuries later, the artistic exploration of the topic gained drive again. The British artist Constable, for example, concentrated his painterly Natural History of the Skies entirely on cloud phenomena, in relation to the newly gained insights attained by science. The full potential of artistic abstraction that clouds have to offer appeared in classic modernism with Nolde, Hodler and Strindberg.

Today, abstraction has endless possibilities of visual expression. With his series clouds, Falk von Traubenberg works at the interface of art history, natural science and technology. The photographs show clouds in their diverse shapes and colours, have seemingly painted borders, the image edges in part optically torn like old photo paper, the individual motifs printed on rough tarp in an XL format or mounted on aluminium in a small format. They are windows to anonymous moments that are unique and yet universal. The weightless impermanence of clouds is frozen in time and space, which creates the incomparable calm and silence of the works. What appears to be random, is actually calculated – a free but systematic research project that classifies a phenomenon of nature and also triggers and reflects emotions. The clouds are objectivity and technology in a reciprocally sustaining connection with romance and creativity.

© 2013 Kristina von Bülow

 

clouds
seen by falk von traubenberg

Wolken sind ein fundamentaler Teil der Natur und damit unseres Daseins. Es gibt sie seit der Entstehung der Atmosphäre als Voraussetzung für das Leben auf der Erde. Sie spielen eine entscheidende Rolle im Energiehaushalt unseres Planeten. Nur kleine Veränderungen können große Auswirkungen auf das Klima haben. Ihre Entstehung und Wandlung wird von verschiedenen Faktoren beeinflußt; das jeweilige Aussehen wiederum erlaubt Rückschlüsse auf die Wetterlage. Wolken können theoretisch in nahezu allen Formen an allen Stellen der Erde vorkommen, jedoch gibt es aufgrund von regionalen klimatischen Besonderheiten für jede Region charakteristische. Ihr extraterrestrisches Vorkommen auf anderen Himmelskörpern wie zum Beispiel dem Planeten Venus wirft ein Licht auf ihre Universalität.

Es ist ein Paradox: Ihre universelle, zeitlose Präsenz ist unerreichbar. Das gibt ihnen fast etwas Göttliches und mag auch ein Grund sein, warum sie seit Menschengedenken Projektionsfläche von Träumen sind und unsere Fantasie angeregt haben. Sie sind sichtbar, aber nicht greifbar. Niemals gleich, ständig in Veränderung. Sie können große Macht über unser Leben haben: Sie wirken nicht nur auf das Gelingen von Ernten ein, aber auch auf unsere Fortbewegung und nicht zuletzt auf unsere Stimmung.

Das naturwissenschaftliche Studium von Wolken, die Nephologie, ist eine verhältnismäßig junge Entwicklung. Erst ab dem frühen 19. Jahrhundert bahnte sie sich ihren Weg aus den Sphären rein philosophischer Betrachtungen hinaus und wurde zu einer eigenständigen Wissenschaft. Die heute international gültige Klassifizierung, die Wolken nach ihrer Höhenlage in Familien zusammenfaßt, ist im Internationalen Wolkenatlas festgehalten. Namen wie Cirrocumulus Undulatus, Altostratus Translucidus oder Cumulonimbus Capillatus deuten auf ihre Gestalt, Anordnung und Lichtdurchlässigkeit hin. Es nicht die Wolke selbst, die ihre Farbe bestimmt, sondern die Wellenlänge und die Intensität des Sonnen-, Mond- oder künstlichen Lichtes, das sie beleuchtet. Unsere Farbwahrnehmung wird darüber hinaus noch vom Standpunkt und dem möglichen Vorhandensein von Staub oder Dunst in der Luft beeinflußt. Über das von den verschiedenen Molekülen reflektierte und gestreute Licht ergeben sich die jeweilige Helligkeit und Dunkelheit. Winde, Temperaturen und atmosphärischer Druck sorgen für die ständige Neubildung, Bewegung und Verformung von Wolken.

Diese ephemere Theater hat in seiner Schönheit und Dramatik seit jeher die Vorstellungskraft der Menschen beflügelt. Als Sujet der Kunst spielen Wolken seit der Renaissance, in der sie wie in der Sixtinischen Kapelle himmlische Erscheinungen in Szene setzten, eine bedeutende Rolle für Inszenierung und Ausdruck. Mit der niederländischen Landschaftsmalerei, vor allem mit van Ruisdael und Rembrandt, wurden Wolken mehr und mehr dafür eingesetzt, die Unendlichkeit des Raumes darzustellen und Landschaften zu dramatisieren. Durch die Entstehung der Nephologie und der naturwissenschaftlichen Erforschung von Wolken zwei Jahrhunderte später bekam auch die künstlerische Bearbeitung des Themas aufs Neue frischen Wind. Der britische Künstler Constable zum Beispiel konzentrierte sich mit seiner malerischenNaturgeschichte des Himmels ganz auf Wolkenphänomene, in Bezug auf die neu gewonnenen Erkenntnisse aus der Wissenschaft. Das volle Potenzial zur künstlerischen Abstraktion, das Wolken bieten, kam dann in der Klassischen Moderne mit Nolde, Hodler und Strindberg zum Vorschein.

Heute hat Abstraktion unendliche Möglichkeiten des visuellen Ausdrucks. Mit seiner Serie clouds arbeitet Falk von Traubenberg im Spannungsfeld zwischen Kunstgeschichte, Naturwissenschaft und Technologie. Die Fotografien zeigen Wolken in ihren mannigfaltigen Formen und Farben, haben malerisch auslaufende schwarze Ränder, die Bildkanten teilweise optisch rissig wie altes Fotopapier, die einzelnen Motive auf grobe Plane gedruckt als Überformat oder auf Aluminium kaschiert als Kleinformat. Es sind Fenster zu anonymen und real gewesenen Momenten, die einzigartig und doch universell sind. Die schwerelose Unbeständigkeit von Wolken ist eingefroren in Zeit und Raum, was die Arbeiten ihre unvergleichliche Ruhe und Stille ausstrahlen läßt. Was wie zufällig erscheint, ist tatsächlich kalkuliert – ein freies aber systematisches Forschungsprojekt, das ein Phänomen der Natur klassifiziert, aber auch Emotionen auslöst und reflektiert. Die clouds sind Sachlichkeit und Technologie in einer gegenseitig erhaltenden Verbindung mit Romantik und Kreativität.

© 2013 Kristina von Bülow